Wir lassen unseren Fohlen und Jungtieren Zeit erwachsen zu werden

Fast die Hälfte unserer zwischenzeitlich 22-köpfigen Herde stammt aus eigener Nachzucht. Auch hier haben wir uns für unseren ganz eigenen Weg entschieden.

 

Wir züchten in drei verschiedenen Linien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dabei legen wir großen Wert auf echtes "Familienleben" - im ganz eigentlich Sinn der Sache.

 

Alles braucht seine Zeit - auch das erwachsen werden!

 

Bei vielen Züchtern werden die Tiere bereits nach 6 Monaten von der Mutter entwöhnt bzw. „abgesetzt“, sehr früh trainiert und häufig schon maximal 1-jährig verkauft. Das bedeutet, dass die für die Sozialisation wichtige Baby-/Kind-Phase von Menschenhand verkürzt werden.

 

Diese Züchterentscheidung hat in der Regel finanzielle Hintergründe, da die Stuten meist bereits zwei Wochen nach dem Abfohlen neu gedeckt werden, um jährlich ein neues Fohlen zu bekommen. Wir haben uns entschieden, dies nicht zu tun.

 

Wir gehen einen anderen Weg - einen Weg, der viel Geduld erfordert. Unsere Stuten werden frühestens ein Jahr nach dem letzten Fohlen, oder mit noch längerem Abstand erneut gedeckt. Somit darf die Stute entscheiden, wie lange sie ihr Fohlen trinken lässt und die Nähe ihres Kindes sucht.

 

Es gibt Stuten, wie unsere Carolina, die innerhalb der ersten 6-9 Monate ganz von alleine "abstillen“ – in dem sie sich den Trinkversuchen ihres Fohlens entzieht. Andere Stuten, wie unsere Leitstute Lilli und ihre Halbschwester Tina, säugen ihren Nachwuchs weit über ein Jahr und lassen bis zur Geburt des nächsten Fohlens kein Blatt Papier zwischen sich und ihr Kind. Zusammen fressen, spielen, kuscheln, den Tag verbringen, Grenzen austesten, gemeinsam schlafen gehen… alles, was so ein richtiges Familienleben ausmacht.

 

Wir vertrauen in der Aufzucht ganz auf Mutter Natur und sind überzeugt, dass eine Lama-Mama instinktiv das Richtige tut, um gut für sich und ihr Kind zu sorgen. Eine starke Bindung zur Mutter fördert natürlich auch die Charakterbildung der Jungtiere. Deshalb halten wir uns – gerade im ersten Lebensjahr – so gut es geht aus der Sozialisation heraus. Dazu gehört auch die Fohlen nicht zu kuscheln und zu vermenschlichen, will man später keine fehlgeprägten, distanzlose oder aufdringliche Tiere, die Menschen bedrängen, anspucken oder angreifen, weil sie uns als gleichwertige Herdenmitglieder verstehen. Selbstverständlich berühren wir die Tiere regelmäßig, beim vorbeigehen und wenn wir mit ihnen „arbeiten“, aber missbrauchen sie eben nicht als „Kuscheltiere“, die sie ohnehin nicht sind. Und sobald die Jungtiere angstfrei am Halfter gehen, werden sie natürlich auch schon für alle Pflegemaßnahmen, wie Fußnägel schneiden usw. sensibilisiert. Dies alles geschieht aber auf einer durch gegenseitigen Respekt gekennzeichneten "Arbeits-Basis".

 

Unsere Junghengste kastrieren wir so spät wie möglich, im Idealfall frühestens mit 15-18 Monaten, um einen sogenannten eunuchenhaften Riesenwuchs zu vermeiden, der zu orthopädischen Problemen führen kann. D.h. die Junghengste sollten möglichst ausgewachsen sein, bevor sie der mit der Kastration verbundenen Hormonumstellung ausgesetzt werden.